Fachkräfte bilden sich beim Netzwerk Junge Eltern/ Familien fort
Update in Sachen Säuglingsmilchnahrung

Fachkräfte bildeten sich beim Netzwerk Junge Eltern/ Familien fort

Teilnehmer der Fortbildung mit Sonja OsianderZoombild vorhanden

Teilnehmer der Fortbildung mit Sonja Osiander

Kann ein Baby nicht oder nicht voll gestillt werden, ist eine industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung die einzige Alternative. Doch die große Fülle der im Handel angebotenen Säuglingsmilchnahrungen ist für viele Eltern verwirrend. Hebammen, Krankenpflege-rinnen auf den Geburtenstationen oder Mitarbeiter/innen von Kinderarztpraxen sind oft die erste Anlaufstelle für die Fragen der frischgebackenen Eltern: Welche Milchnahrung ist die beste für mein Kind? Muss ich HA-Nahrung verwenden? Braucht mein Baby Folgenah-rung? Licht ins Dunkel brachte die Fortbildung des Netzwerkes Junge Eltern/Familien „Er-nährung und Bewegung“ mit Diplom-Ökotrophologin Sonja Osiander. Bis von Tröstau im Fichtelgebirge und Polling in Oberbayern reisten die Fachkräfte an, um die neuesten Hand-lungsempfehlungen für ihre Beratung der jungen Eltern mitzunehmen.

Sonja Osiander betonte, dass Muttermilch natürlich als erste Wahl zu sehen sei. Kommt aber eine Ersatznahrung zum Einsatz, sei darauf zu achten, dass eine sogenannte Pre-Nahrung ausgewählt wird. Was diese enthalten muss und darf ist durch eine 2016 aktuali-sierte EU-Verordnung klar gesetzlich geregelt. Diese ersetzt die Regelungen der bis dahin gültigen „Diätverordnung“. Bis 2020 gelten Übergangsfristen für die Hersteller hinsichtlich des Zusatzes von DHA, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure aus Fischöl. Diese gilt als wichtig für die Gehirnentwicklung bei Säuglingen. Wer die Milchpulver-Packungen genauer studiert, liest auch von anderen Zusätzen, mit denen die Hersteller werben, wie z.B. Prä-biotika (Ballaststoffe aus Mehrfachzuckern) und Probiotika (Mikroorganismen wie z.B. Milchsäurebakterien), die die Darmflora positiv beeinflussen sollen.  

In Einzelstudien konnten durchaus positive Wirkungen einzelner Bakterienstämme nachgewiesen werden. Allerdings können die Fachgesellschaften auf dieser Basis noch keine einheitlichen Handlungsempfehlungen für probiotische Zusätze aussprechen. Deshalb bleiben sie freiwillig.

Für die Eltern sei oft der Preis ein maßgebliches Entscheidungskriterium, beträgt die Span-ne doch pro Packung zwischen knapp 7 bis mehr als 24 Euro. Da gelte es, die jungen Fami-lien zu beruhigen: auch preislich niedriger angesiedelte Produkte müssen den ernährungs-physiologischen Anforderungen der EU-Richtlinie entsprechen. So könne hier keine klare Aussage getroffen werden, welches Fabrikat nun „das beste“ sei. Folgemilchnahrungen mit den Ziffern 2 oder höher seien nicht erforderlich. Ein Umsteigen auf Säuglingsanfangsnah-rung 1 ist nicht nötig. Energetisch sind „Pre-“ und „1er“- Nahrungen vergleichbar, von der Zusammensetzung ist Pre-Nahrung der Muttermilch am ähnlichsten. Man empfiehlt deshalb bei nicht stillenden Müttern, ausschließlich Pre-Nahrung bis zur Umstellung auf Kuhmilch gegen Ende des ersten Lebensjahres zu geben. Dass die 1er-Nahrung mehr sättigt, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Es ist wichtig, die ausschließliche Milchphase nicht unnötig zu verlängern. Die Beikost sollte – je nach Entwicklungsstand des Babys - zwi-schen Beginn des 5. und 7. Lebensmonats ergänzend eingeführt werden.
Zum Thema „HA-Nahrung“ betonte die Referentin, dass diese zur Prävention vor, nicht zur Therapie von Allergien gedacht sind. Sinnvoll sind HA-Nahrungen nur für Säuglinge, deren Eltern oder Geschwister tatsächlich davon betroffen sind. Alle anderen Säuglinge profi-tieren nicht davon – zudem sind die Nahrungen teurer und haben durch den anderen Ge-schmack auch eine Auswirkung auf die Geschmacksprägung. Möglicherweise wird die spä-tere Umstellung auf Kuhmilch erschwert. Im Segment der HA-Nahrungen müssen fast alle Hersteller bis 2020 weitere Nachweise zur individuellen Wirksamkeit ihrer Produkte er-bringen. Lediglich ein Hersteller kann bisher alle Nachweise erbringen, die mit der neuen EU-Richtlinie erforderlich geworden sind. Deutlich abgeraten hat die Referentin von der Eigenherstellung von Milchnahrungen durch Gemische aus Mandelmilch oder ähnlichem. „Hier sind weder die Anforderungen an eine ausgewogene Nährstoffversorgung der Säug-linge, noch die erforderliche Hygiene gewährleistet,“ so Sonja Osiander. Kunstprodukte, wie „Kindermilch“, die von verschiedenen Produzenten bis weit über das erste Lebensjahr hinaus empfohlen werden, seien absolut überflüssig. Hier bestehe sogar die Gefahr einer Überdosierung der zugesetzten Vitamine und Mineralstoffe. Ab dem ersten Geburtstag können Kinder stattdessen normale Kuhmilch im Glas oder Becher zu sich nehmen. Alle Handlungsempfehlungen sind zusammengefasst in der „Monatsschrift Kinderheilkunde“ von September 2016.
Weitere Fortbildung geplant
Am 8. Mai 2018 wird es am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Bergerstraße 2-4 in Weißenburg von 18.00 bis 20.00 Uhr eine weitere Fortbildung für Fachkräfte geben. Thema zu diesem Termin wird die "Beikosteinführung", also der Übergang vom Stillen oder der Milchnahrung zur festen Nahrung, bei Säuglingen sein.
Das Netzwerk Junge Eltern/ Familien „Ernährung und Bewegung“ besteht seit nunmehr sechs Jahren in Weißenburg sowie an allen 47 Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in ganz Bayern. Es steht allen offen, die beruflich im Bereich Ernährung oder Bewegung verankert oder in der Beratung von jungen Familien tätig sind. Das Netzwerk wird koordiniert von den Ansprechpartnerinnen Ernährung Ursula Mücke und Andrea Fina. Neue Netzwerkpartner sind jederzeit herzlich willkommen.

Ansprechpartner

Ursula Mücke
AELF Weißenburg i.Bay.
Bergerstraße 2 - 4
91781 Weißenburg i.Bay.
Telefon: 09141 875-1200
Fax: +49 9141/875-1013
E-Mail: poststelle@aelf-wb.bayern.de
Andrea Fina
AELF Weißenburg i.Bay.
Bergerstraße 2 - 4
91781 Weißenburg i.Bay.
Telefon: 09141 875-1204
Fax: +49 9141/875-1013
E-Mail: poststelle@aelf-wb.bayern.de